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Das Bild zeigt gefüllte Getreidesäcke, die in einem Warenlager aufeinandergestapelt liegen..

Datum: 16.10.2025

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Programme, WFP) versorgt jedes Jahr Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln und leistet Unterstützung in Krisenregionen. Damit diese Hilfe wirksam und zielgerichtet eingesetzt wird, prüft der Bundesrechnungshof seit dem Jahr 2022 die Arbeit des WFP – im Auftrag der Vereinten Nationen und gemeinsam mit internationalen Partnern.

Im Interview spricht Präsident Kay Scheller über die Herausforderungen der Aufgaben eines Externen Auditors, über Finanzierungsengpässe in Zeiten zunehmender Krisen – und darüber, wie unabhängige Prüfungen zu mehr Transparenz und Vertrauen beitragen können.

Herr Präsident, wie stellt sich die aktuelle Lage beim WFP aus Ihrer Sicht dar?

Präsident Scheller: Die Lage ist ernst. Das Budget des WFP hat sich im Vergleich zum Jahr 2022 fast halbiert – von 14 auf rund 7 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig spitzen sich die Krisen zu: bewaffnete Konflikte, Klimakatastrophen, Nahrungsmittelengpässe. Der Bedarf an humanitärer Hilfe steigt. Das WFP muss also mehr leisten mit weniger Mitteln – 'do more with less' . Dafür braucht es strukturierte Prozesse, Klarheit über Zuständigkeiten und vor allem wirksame Kontrollen.

Wie meinen Sie das konkret?

Präsident Scheller: Über 90 Prozent der Hilfsprojekte werden von Kooperationspartnern des WFP umgesetzt. Diese Partner müssen wirksam kontrolliert werden – bis zur letzten Meile, bis zu den Bedürftigen. In Äthiopien gab es allerdings Fälle, in denen es zur Zweckentfremdung von Mitteln kam, obwohl Kontrollen ordnungsgemäß eingerichtet waren. Deswegen sagen wir: WFP braucht nicht mehr Kontrolle, sondern eine effizientere Kontrolle. Darauf wollen wir hinwirken.

Wie wichtig ist es, dass die Prüferinnen und Prüfer regelmäßig vor Ort sind?

Präsident Scheller : Das ist für unsere Prüfungen essenziell. Denn die eigentliche Arbeit des WFPfindet im Feld statt, in den rund 80 Länderbüros auf der ganzen Welt. Hier erfüllt das WFP seine Kernaufgaben. Unsere Prüferinnen und Prüfer sind daher jedes Jahr in bis zu neun Ländern unterwegs – etwa in Tansania, Benin oder im Libanon. Nur vor Ort lässt sich die reale Wirkung bewerten. So nahmen wir die bedenklichen Vorfälle in Äthiopien zum Anlass, dort hinzufahren und uns ein eigenes Bild zu machen. Die Erkenntnisse fließen in unseren ‘Summary Field Report’ ein. Es gibt dem Executive Board wertvolle Einblicke aus dem Feld.

Welche Rolle spielt das Executive Board für die Umsetzung von Empfehlungen?

Präsident Scheller: Das Executive Board ist das oberste Aufsichtsgremium des WFP. Es entscheidet, ob und wie unsere Empfehlungen aufgegriffen und letztlich von WFP umgesetzt werden. Das Board muss das Management zur Umsetzung auffordern – und auch dranbleiben. In der Praxis bedeutet das: Nur wenn das Board konsequent nachfragt, können unsere Empfehlungen Wirkung entfalten. Deshalb ist es wichtig, dass wir das Board nicht nur informieren, sondern auch in seiner Rolle als Kontrollinstanz stärken.

Welche Themen standen innerhalb des WFP-Mandats bisher im Fokus?

Präsident Scheller: Ein zentrales Thema war die klare Zuordnung von Zuständigkeiten und Berichtspflichten. Wir haben empfohlen, Entscheidungsbefugnisse nachvollziehbar und transparent zuzuweisen – damit klar ist, wer wofür verantwortlich ist und wer an wen zu berichten hat.

Im Bereich Personalmanagement haben wir festgestellt, dass das WFP innerhalb eines Jahres fast 12 Millionen Dollar an Mitarbeitende gezahlt hat, die ohne Position und Aufgaben freigestellt waren. Das ist nicht akzeptabel.

Auf unsere Empfehlung hin hat das WFP seine Bilanzierungsregeln für mehrjährige Finanzbeiträge überarbeitet und an internationale Standards angepasst.

Außerdem machen wir mit einem neuen Kapitel im Jahresbericht die Umsetzung offener Empfehlungen transparent. Mit diesem neuen Empfehlungscontrolling schaffen wir Transparenz, so dass jeder sehen kann, wo Empfehlungen umgesetzt wurden und wo Verbesserungen noch auf sich warten lassen.

Im Juni stellten Sie in Rom Ihren Bericht zum Haushaltsjahr 2024 vor. Dabei führten Sie viele Gespräche mit Delegationen aus den verschiedenen Ländern. Welche Bedeutung haben diese für Ihre Tätigkeit als Externer Auditor?

Präsident Scheller: Diese Gespräche sind zentral. Vieles in der internationalen Zusammenarbeit geschieht informell – im persönlichen Austausch. Hier können wir unsere Prüfungsfeststellungen erläutern, Verständnis schaffen und Vertrauen aufbauen. So konnten wir im Dialog mit den USA, Frankreich und der deutschen Delegation unseren Empfehlungen mehr Nachdruck verleihen und damit die Chance erhöhen, dass daraus auch konkrete und konsequente Veränderungen entstehen.

Die vielen Gesprächen zeigten zudem ein großes Interesse an unserer Arbeit. Gerade in einer Zeit, in der internationale Organisationen unter Druck stehen, ist unabhängige Prüfung ein wichtiges Signal für Transparenz und Glaubwürdigkeit. Diese Resonanz motiviert uns, unseren Beitrag zur Stärkung des WFP entschlossen weiterzuführen.

Welche Bilanz ziehen Sie zur Halbzeit des Mandats?

Präsident Scheller: Wir sehen Licht und Schatten. In den Länderbüros finden wir großen Willen vor, unsere Empfehlungen umzusetzen. Auf zentraler Ebene fehlt diese Umsetzungskraft zuweilen. Mit unserem Empfehlungscontrolling geben wir dem Executive Board ein wichtiges Werkzeug an die Hand, um gezielter Druck auf das Management auszuüben und Veränderungen einzufordern. Hier müssen wir beharrlich bleiben.

Und wie geht es in der zweiten Hälfte weiter?

Präsident Scheller: Das WFP ist eine Organisation mit einem klaren humanitären Auftrag: ' Saving Lives' . Gerade jetzt ist diese Aufgabe wichtiger denn je. Doch wer ' do more with less' ausruft, muss Reformen ernst nehmen. Die WFP-Exekutivdirektorin selbst hat dieses Ziel mehrfach formuliert. Wir nehmen das ernst – und fordern daher konsequente Umsetzungsschritte. Genau daran arbeiten wir – mit Klarheit, Nachdruck und Beharrlichkeit.

Seit Juli 2022 haben wir ein Prüfungsmandat von höchster Bedeutung inne: Das Welternährungsprogramm (World Food Programme, WFP) der Vereinten Nationen ist die weltweit größte humanitäre Hilfsorganisation. Oberste Priorität des WFP ist es, Hunger zu bekämpfen, Ernährung zu verbessern, den Zugang zu Nahrungsmitteln zu sichern und nachhaltige Landwirtschaft zu fördern.

Das Executive Board hat unseren vormaligen Präsidenten, Kay Scheller, für den Zeitraum vom 1. Juli 2022 bis zum 30. Juni 2028 zum External Auditor ernannt. Das Mandat hat unser neuer Präsident, Ansgar Heveling, übernommen.

Unser Mandat für die Prüfung des WFP knüpft nahtlos an die Mitgliedschaft im UN Board of Auditors an, dem wir bis Ende Juni 2022 angehörten.

Mehr zu unseren internationalen Prüfungsmandaten.

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