Der Bundesrechnungshof hat dem Deutschen Bundestag, dem Bundesrat und der Bundesregierung seine Bemerkungen 2022 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes zugeleitet. Darin greift der Bundesrechnungshof Fälle auf, die für die Entlastung der Bundesregierung durch das Parlament von Bedeutung sind. Der aktuelle Band enthält Beispiele, in denen die Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes nicht zielgerichtet, ineffizient und wirkungsschwach war.
„Die finanziellen Handlungsspielräume des Bundes schrumpfen immer weiter. Es kommt künftig mehr denn je darauf an, dass der Bund mit seinem Geld ordentlich haushaltet“, sagte der Präsident des Bundesrechnungshofes, Kay Scheller. „Das gelingt nur mit besseren, moderneren staatlichen Strukturen und Prozessen. Unsere Erkenntnisse bieten Ansätze dafür.“
Drei kurz aufeinanderfolgende Krisen (Corona-Pandemie, russischer Angriff auf die Ukraine, Unsicherheiten bei der Energieversorgung) sind ein Stresstest für den Bundeshaushalt. Sie treffen auf ohnehin ausgeprägte finanzwirtschaftliche Herausforderungen, wie die demografische Veränderung, die Bekämpfung des Klimawandels und die Modernisierung der Infrastruktur. Zusammen gefährdet das die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen. In den Jahren 2020 bis 2022 hat der Bundestag dreimal unter Erklärung außergewöhnlicher Notsituationen die Schuldenregel ausgesetzt. Vor der Pandemie hatte der Bund in 70 Jahren eine Verschuldung von rund 1,3 Billionen Euro angehäuft. Infolge der Notlagen der letzten drei Jahre wird sich der Schuldenstand um etwa 800 Mrd. Euro erheblich erhöhen. In absehbarer Zeit wird also ein Wert von 2 Billionen Euro überschritten werden. 2021 zahlte der Bund knapp 4 Mrd. Euro Zinsen; für 2023 sind jetzt über 40 Mrd. Euro eingeplant. Auch durch viele weitere bereits eingegangene Verpflichtungen versteinert der Bundeshaushalt immer mehr. Der fiskalische Spielraum und die Gestaltungsmöglichkeiten für zentrale Projekte künftiger Parlamente und Regierungen schwinden.
In den Bemerkungen benennt der Bundesrechnungshof systemische Schwachstellen, die der Bund beseitigen muss und Einzelfälle, bei denen er Haushaltsmittel zielgerichteter, effizienter und wirksamer einsetzen sollte. Für die Einnahmeseite zeigt der Bundesrechnungshof auf, wo der Bund Mittel, die ihm zustehen, einziehen sollte.
Der Hauptband der Bemerkungen 2022 umfasst 20 Prüfungsergebnisse, die in den kommenden Monaten vom Bundestag beraten werden. Eine Auswahl der aktuellen Bemerkungen im Überblick: