Der Bundesrechnungshof hat dem Deutschen Bundestag, dem Bundesrat und der Bundesregierung seine Bemerkungen 2023 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes zugeleitet. Die Bemerkungen benennen systemische Schwachstellen, an denen der Bund seine Haushaltsmittel zielgerichteter, effizienter und wirksamer einsetzen oder einziehen sollte.
„Die finanziellen Handlungsspielräume des Bundes schwinden immer mehr. Nach dem jüngsten Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Zweiten Nachtragshaushalt 2021 gilt jetzt erst recht: Der Bund muss mit seinem Geld ordentlich haushalten, es ist Zeit für mehr Effizienz. Das ist notwendig, auch im Interesse der kommenden Generationen“, sagte der Präsident des Bundesrechnungshofes, Kay Scheller. „Dazu gehört ganz sicher eine Priorisierung bei den Ausgaben. Ebenso sollte der Bund endlich sämtliche Subventionen und Vergünstigungen auf Wirksamkeit und mögliche Fehlanreize überprüfen. Der Staat braucht bessere, modernere Strukturen und Prozesse. Unsere Prüfungen bieten Ansätze dafür.“
Der Bundeshaushalt steht weiterhin stark unter Druck. Als Folge der Corona-Pandemie, des Ukraine-Krieges sowie der Energiekrise waren die Bundeshaushalte der Jahre 2020 bis 2023 stark expansiv: Dreimal hat der Bundestag die Schuldenbremse aufgrund einer außergewöhnlichen Notsituation ausgesetzt. Dadurch ist der Schuldenstand des Bundes enorm gewachsen. Die Zinswende lässt seine Zinsausgaben hochschnellen. Von 4 Mrd. Euro im Jahr 2021 auf mindestens 40 Mrd. Euro im Jahr 2023. Und sie verbleiben in den nächsten Jahren auf einem hohen Niveau. Diese schwierigen finanzwirtschaftlichen Bedingungen treffen auf eine enorme Aufgaben- und Ausgabenlast: Modernisierungs- und Nachholbedarf bei Infrastruktur, Digitalisierung, Landesverteidigung und Klimaschutz sowie den demografischen Wandel.
Der fiskalische Spielraum für Projekte künftiger Parlamente und Regierungen wird dadurch geringer; die Gestaltungs- und Handlungsmöglichkeiten schwinden. Künftige Krisen können aber nur mit tragfähigen Staatsfinanzen und Handlungsspielräumen gemeistert werden.
„Mit seinen Bemerkungen zeigt der Bundesrechnungshof Möglichkeiten auf, wie Defizite abgestellt sowie Haushaltsmittel besser eingesetzt werden können – und damit letztendlich, wie der Staat seine Handlungsfähigkeit verbessern kann“, ergänzte Scheller.
Der vorliegende Hauptband der Bemerkungen 2023 umfasst 26 Prüfungsergebnisse, die in den kommenden Monaten im Bundestag beraten werden. Sie betreffen unter anderem die Themen Wirtschaftshilfen, Bundeswehr, EU, Verkehr, Forschung, Auswärtiges Amt, Bundesagentur für Arbeit, Digitalisierung und Rente.
Eine Auswahl der aktuellen Bemerkungen im Überblick: